Impulse

27.03.2020 Lehre uns bedenken…

Sterben? – Will ich nicht. Ich will leben. Mit allem, was dazu gehört. An den Tod denke ich nicht gerne. Das macht mir Angst. Obwohl ich doch Christin und Pfarrerin bin und an das Danach glaube. Ich hatte sogar eine Zeit, da hat mich jeden Abend vor dem Einschlafen pure Panik vor dem Tod eingeholt. Auf ganz unterschiedliche Weise beschäftigt mich dieses Thema schon immer. Es lässt mich nicht los. Weil Leben und Sterben zusammen gehört. Weil das eine ohne das andere nicht zu haben ist.
In der momentanen Krise habe ich aber immer wieder das Gefühl: Wir haben als Gesellschaft zu wenig über den Tod geredet, sind überfordert mit dem Thema. Genau deshalb finde ich es aber so wichtig über dieses Thema zu reden. Denn nur, wenn wir bedenken, dass wir sterbliche Wesen sind, können wir klug handeln. Da bin ich ganz bei Psalm 90.
Mir hilft beim Reden über den Tod: mir immer wieder die Hoffnungsbilder vor Augen malen, die mich als Christin habe. Diese Bilder vor mir lebendig werden lassen. Bilder von der Wärme und dem Licht. Bilder von lebendigen Bäumen. Bilder von geheilten Wunden und getrockneten Tränen. Ganz oft denke ich dabei an die Häuser der Heilung aus dem Herrn der Ringe. An das Lachen, das da im Raum liegt. So kann ich gut über den Tod nachdenken und der Angst etwas entgegen setzen.
Was sind deine Bilder für das Danach?

13.03.2020 Lachen und Krönchen richten

Aufstehen, Krönchen richten, weitergehen. Das fällt mir nicht immer leicht. Zum Beispiel, wenn ich wieder anfange Sport zu machen, wie jetzt am Mittwoch. Auf der einen Seite ist da die Euphorie und Aufbruchsstimmung. Ich denke: “yeah, cool, du bist wirklich losgegangen.” Auf der anderen Seite kommt dann aber auch der Blick zurück. Der Gedanke: “Mensch, wie lang warst du nicht mehr Sport machen.” Mich dann nicht mit Verpasstem selbst fertigmachen, sondern weiter nach vorn blicken, nicht misstrauen und davon ausgehen, dass ich eh wieder scheitern werde – das muss ich immerwieder lernen.
Ein krasses Beispiel für’s nach vorn Blicken sind Abraham und Sara. Sie haben von Gott ein überwältigendes Versprechen bekommen: ganz viele Nachkommen! Dafür sollten sie allerdings losziehen und in ein anderes Land gehen. Sie haben das getan. Wahrscheinlich mit viel Euphorie und Aufbruchsstimmung, aber auch einem wehmütigen Blick zurück. Doch Sara wird immer älter und kein Kind wird geboren. Wie schwer muss es da gewesen sein, weiter zu hoffen? Die Euphorie ist längst verflogen. Da sind Wut und Tränen, denn nichts klappt, wie man will und hofft. Immer wieder erneuert Gott sein Versprechen. Immer wieder glitzert am Wegesrand Hoffnung auf – aber nichts geschieht. Einmal dann bekommen die beiden Besuch und der ist sich sicher: Nächstes Jahr ist Nachwuchs im Haus. Da muss Sara schallend loslachen. Sie ist inzwischen so alt, das kann gar nicht mehr gehen. Und als Sara lacht, passiert was Komisches: auf einmal spricht Gott selbst. Er sagt: euch, Abraham und Sara, ist das vielleicht nicht möglich, aber mir ist nichts unmöglich!
Mir tut dieses Lachen von Sara gut. Wie schön, dass ihr Lachen in der Bibel so ein Wendepunkt ist. Sie zeigt mir immer wieder: Lachen und Humor sind oft der beste Weg um mit schweren Situationen umzugehen und nicht zu verzweifeln. Denn wenn ich drüber lache, dann gewinne ich Abstand. Dann hat wie bei Sara auf einmal Gott die Chance mitzuspielen. Lachen, das ist wie eine Tür aufmachen. Eine Tür zu Gott. Darum: Drüber lachen, wenn etwas nicht geklappt hat, Krönchen richten und weitergehen.

06.03.2020 Angst & Vertrauen

Kennt ihr das? Angst. Manchmal ist sie so groß, dass man nichts anderes mehr sehn kann. Man steht da wie erstarrt. Blickt stumm auf die Angst. Denken fällt schwer. Die Gedanken rasen dahin. Manchmal macht einem etwas so sehr Angst, dass man alles andere vergisst. Da ist die Angst, von anderen ausgelacht oder abgelehnt zu werden. Die Angst, krank zu werden. Die Angst, die Welt überlebt den Klimawandel nicht, die Angst keinen Platz im Leben zu finden. Man könnte wohl eine endlos lange Liste schreiben…
Dem Volk Israel ging das mal genauso. Sie hatten gerade den Schritt in die Freiheit gewagt. Jetzt können sie den Blick nicht mehr von der Staubwolke hinter sich abwenden. Sie sehen nur noch herannahende ägyptische Kriegswagen, hören nur noch das Trappeln und Schnauben der Pferde.
Ich kenne das auch mit der Angst. Als Kind war ich super mutig. Da bin ich mit Schwimmflügeln vom 3-Meter-Brett gesprungen. Ich konnte zwar nicht schwimmen, aber darüber hab ich nicht nachgedacht. Später kamen dann doofe Kommentare in der Schule, Lehrer, die mich nicht mochten – und irgendwie schlich sich die Angst ein.
Was den Israeliten in ihrer Angst geholfen hat? Mose. Er ruft den Israeliten zu, die Perspektive zu wechseln. Sie sollen auf Gott sehen, nicht auf die Angst. Den eigenen Blick von der Angst wegreißen – und damit auch die Gedanken von der Angst wegreißen: wer das schafft, sieht oft plötzlich ganz viele Möglichkeiten. So wie die Israeliten einen Fluchtweg gefunden haben. Mit Gottes Hilfe.
Was mir bei der Angst hilft? Realitätscheck machen: wie schlimm ist es wirklich? Was kann schlimmstenfalls passieren? Und dann auf Gott vertrauen. Weil er mich auffängt. So wie mein Vater damals, als ich vom Drei-Meter-Brett gesprungen bin und doch gar nicht schwimmen konnte.
Das ist das beste Rezept gegen die Angst: Auf Gott schauen, Realitätscheck machen und vertrauen.